Erfahrungen mit Gott

Zeugnis nach den Vertiefungstagen 2025/26 mit Daniel Soldner auf der Nordalb
Wenn ich mich am Anfang unseres gemeinsamen Weges beschreiben sollte, war ich ein Mensch im Schneckenhaus. Jemand der sich zum Schutz vor Verletzungen, Enttäuschungen zurückgezogen hat. Sich nicht berühren lassen wollte.
Und glaubt mir, wenn man über Jahre im Schneckenhaus stetig einen Schritt rückwärts geht, wird es immer enger, dunkler und irgendwann kommt man in der Mitte an. Ich bekam keine Luft mehr, wurde krank. Umarmungen, freundlich gemeint, waren eine Qual.
Immer wieder, wenn Daniel den in sich selbst verkrümmten Menschen charakterisiert hat, habe ich mich gesehen. Im Januar legte Grit ein Spruchkärtchen auf unsere Plätze. Meins mit Psalm 139: „Von allen Seiten umgibst Du mich und hältst Deine Hand über mir.“ Das war eine Bedrohung für mich, der Gedanke daran hat mir die Luft zum Atmen genommen!
Das Bild vom Tanz der Liebe, der Liebe Gottes zu MIR, habe ich erst hier wirklich begriffen. Sie ist tief in mein Herz gefallen. Ich konnte Gott vertrauen: nicht ICH mit meinen eigenen Möglichkeiten (deren Tun mich zur Erschöpfung brachte) sondern ER.
Plötzlich war es hell. An einem Jahrestag, vor dem ich mich so gefürchtet hatte, konnte ich Freude spüren. Ich konnte überhaupt etwas spüren.
Jesus zeigte mir dann später das leere Schneckenhaus. Es war von oben offen wie ein Lost Place. Man konnte den Gang sehen. Er war jetzt hell und man sah den ganzen Schmutz. Jesus sagte, er sei all die Jahre mit mir Schulter an Schulter in der Mitte in der Enge gesessen. Aber er konnte nicht handeln, weil ich es nicht wollte. Er hat diesen Druck, die Enge, die Angst, Dunkelheit und Einsamkeit mit mir ausgehalten.
 
Ich sehe meine Schuld. Ich habe so viel Elend, Kummer und Leid in meine Beziehungen gebracht. Für manche Menschen ist es zu spät, um sie um Verzeihung zu bitten, es wieder gut zu machen. Aber eins weiß ich sicher: mein Schuldschein ist gelöscht und deshalb kann ich Stück für Stück weitergehen - Herausfinden wer ich wirklich bin.
Ich dachte immer, ich kann gut allein sein und spüre jetzt das genaue Gegenteil. Ich brauch Nähe und möchte gesehen werden.
Übrigens man kann mich jetzt umarmen ;-)
 K. Schmid

Rebekkah Pohl

Ich erinnere mich noch gut an den August 2015 auf der Zeltstadt. Ich war 17 Jahre alt und zum ersten Mal dort. Hinter mir lag eine persönlich schwere Zeit. Wochen zuvor war meine erste Beziehung nach ein paar Monaten zu Ende gegangen. Die Trennung schmerzte. Doch sie war nur eine von vielen Verletzungen, die sich über Jahre angesammelt hatten. Immer wieder hatte ich mich verlassen gefühlt. Nicht verstanden. Nicht wirklich zugehörig. Während dieser Schmerz präsent war, beschäftigte mich etwas anderes jedoch noch viel mehr: In nur einem Monat stand mir eine Stammzellentransplantation bevor. Nach fast zehn Jahren „Morbus Crohn“ – zahlreichen Operationen, Krankenhausaufenthalten und verschiedenen Therapien – stand mir nun eine neue Behandlung bevor, die damals weltweit erst bei 5 weiteren Patienten mit Morbus Crohn durchgeführt worden war und mit erheblichen Risiken verbunden war. Trotzdem trug ich Glauben und Ho nung in mir, dass diese Stammzellentransplantation meine zweite Chance auf ein neues Leben war. Drei Tage bevor wir zur Zeltstadt aufbrachen, fragten mich meine Eltern, wie es mir wirklich gehe. Die Wahrheit war: Mein Herz war müde. Nicht nur von der Krankheit. Auch von den Enttäuschungen. Von all den Momenten, in denen ich mich allein gefühlt hatte. Aber diese Gedanken schob ich erstmal bei Seite, denn auch wenn mein Herz von zwischenmenschlichen Erfahrungen verletzt war, hatte die körperliche Gesundheit Vorrang. Bis zu jenem Abend auf der Zeltstadt. Eines Abends wurde Gebet in einem Zelt angeboten. Es herrschte eine ruhige Atmosphäre, Menschen saßen an verschiedenen Tischen, beteten miteinander oder hörten einfach zu. Ich ging hinein mit einem klaren Anliegen: Ich wollte Gott begegnen, bevor ich bald ins Krankenhaus musste. Eine freundliche Mitarbeiterin führte mich zu einer schwangeren Frau an einem Tisch. Sie fragte mich, wofür sie beten könne. Ich erzählte ihr von Morbus Crohn. Von der bevorstehenden Transplantation. Von meiner Sehnsucht nach Heilung. Sie hörte aufmerksam zu und sagte dann, dass das sie das gerne täte, aber sie sich zunächst einen Moment Zeit nehmen wolle, um auf den Heiligen Geist zu hören. Also schlossen wir die Augen. Nach einer Weile fing sie an zu sprechen. Sie hatte zwei Eindrücke für mich. Der erste Eindruck betraf ein Thema, das mich schon lange begleitete: das Gefühl, verlassen zu sein. Der zweite Eindruck ging noch tiefer. „Ich habe den Eindruck, dass du einen langen und schweren Weg hinter dir hast“, sagte sie. „Und ich spüre, dass Gott dich einlädt, ihm neu zu sagen, dass du leben möchtest.“ In diesem Moment brach etwas in mir auf. Ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, denn was sie ansprach, konnte niemand außer Gott wissen. Vor der Zeltstadt hatte ich mit meinen Eltern und mit Gott über Gedanken gesprochen, die mich immer wieder bedrängten. Gedanken, die mich fragen ließen, welchen Sinn das Leben überhaupt hatte. Gedanken, die aus dem Schmerz geboren wurden und mich immer wieder in Ho nungslosigkeit ziehen wollten. Nicht, weil ich sterben wollte, sondern weil ich müde war. Als diese Frau die Eindrücke teilte, fühlte ich mich von Gott gesehen. Er sah nicht nur die Krankheit, die Kämpfe, die Stammzellentransplantation. Er sah mein Herz, die verborgenen Kämpfe und auch die Gedanken, mit denen ich kämpfte. Ich erzählte ihr von diesen Gedanken und sie bot mir an ein Gebet vorzusprechen. Ich sprach ihr Satz für Satz nach und trennte mich von diesen Gedanken und allem weiteren, was Gott dort an Verbindungen o enbarte. Während ich betete, traf ich eine Entscheidung. Eine bewusste Entscheidung für das Leben. Nicht für ein leichtes Leben. Nicht für ein schmerzfreies Leben. Sondern für das Leben, das Gott mir geschenkt hatte. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich das Gefühl, wieder aufatmen zu können. Ich blieb noch eine Weile sitzen – in dieser Begegnung mit Gott, wo mir für den Moment bewusst wurde, dass Gott nicht nur meinen Körper, sondern auch mein Herz heilen wollte. Etwas, das später noch eine größere Rolle spielen würde. Bevor wir uns verabschiedeten, sagte die Frau noch einen Satz: „Gott ist viel größer, als du es dir vorstellen kannst. Er steht über dem Tod und den Angri en des Teufels. Er möchte dir Leben schenken.“ Damals ahnte ich nicht, wie wahr diese Worte waren. In den Jahren danach durfte ich erleben, dass Jesus nicht nur gekommen ist, um körperliche Heilung zu schenken, sondern um Menschen ganzheitlich wiederherzustellen. Dort, wo der Feind versucht zu stehlen, zu töten und zu vernichten, bringt Jesus Leben in Fülle (Johannes 10,10). Und genau das begann an jenem Abend mit dieser bewussten Entscheidung für das Leben. Die ganze Geschichte kannst du in meinem Buch „Ruhe in Frieden, bevor du stirbst“ nachlesen.